ZEV, vZEV und LEG einfach erklärt

Dein Strompreis in 5 Minuten verstanden. Mit der Pöstler-Analogie erklären wir, wie lokaler Strom funktioniert.

Weisst du, wofür du zahlst?

Fast ein Drittel deiner Stromrechnung sind Versandkosten. Klingt komisch? Stell dir vor, du bestellst ein Paket online. Du zahlst den Produktpreis, die Versandkosten, ein paar Steuern und eine Versicherung, dass es heil ankommt. So setzt sich auch dein Strompreis zusammen.

Nur: Der Strom von der Solaranlage nebenan zahlt die gleichen Versandkosten wie ein Paket aus Übersee. Obwohl der Absender drei Häuser weiter wohnt. Genau hier setzen ZEV, vZEV und LEG an.

Die vier Teile deines Strompreises

Was du zahlst In der Paket-Welt Anteil
Energie, der Strom selbst Der Produktpreis ~40 %
Netznutzung, Transport durch die Leitungen Die Versandkosten ~30 %
Abgaben: Förderung Erneuerbare, Stromreserve, Gemeindeabgaben Steuern und Gebühren ~20 %
Systemdienstleistungen (Frequenz, Spannung halten) Die Versicherung, dass es heil ankommt ~10 %

Der Energiepreis schwankt je nach Markt. Die Netznutzung besteht aus einem Arbeitspreis (pro Paket) und einem Grundpreis (Briefkasten-Gebühr, ob Pakete kommen oder nicht). Grössere Bezüger zahlen stattdessen einen Leistungspreis: je mehr auf einmal geliefert werden soll, desto grösser muss das Auto des Pöstlers sein.

Merk dir das für später: Wie viel du sparst, hängt vom Modell ab. Bei ZEV und vZEV fällt auf intern geteilten Strom nur der Produktpreis an, keine Versandkosten, keine Steuern, keine Versicherung. Bei LEG zahlst du Steuern und Versicherung weiterhin, sparst aber bei den Versandkosten.

Drei Wege, Strom lokal zu teilen

Stell dir ein Quartier vor. Jedes Haus hat einen Briefkasten, einen Gehweg zur Strasse, und der Pöstler liefert Pakete. Einige Nachbarn haben angefangen, selber Pakete zu packen (Solaranlage). Der Rest bestellt weiterhin alles beim grossen Versandhaus (EVU). Die Selbstpacker haben mehr als sie brauchen, die anderen zahlen Vollpreis. Wie bringt man die zusammen?

ZEV — Privater Gehweg (seit 2018)

Ihr baut eure Einfahrten so um, dass ein gemeinsamer privater Gehweg zwischen den Häusern entsteht. Die Produkte gehen über diesen Weg, kein öffentlicher Gehweg nötig. Ein gemeinsamer Briefkasten für die Gruppe.

Der Haken: Den Gehweg musstet ihr selber bauen und bezahlen. Das kostet. Aber danach fallen keine laufenden Weggebühren an. Für Post von ausserhalb zahlt die Gruppe weiterhin volle Versandkosten.

Die Gruppe tritt gegenüber dem EVU als ein einziger Endkunde auf, mit einer gemeinsamen Stromrechnung. Die interne Aufteilung und Abrechnung unter den Teilnehmern muss die Gemeinschaft selber organisieren.

Konkret bedeutet das:

  • Alle Teilnehmer hinter demselben Netzanschluss (HAK)
  • Private Zähler, keine Netzgebühren auf intern geteilten Strom
  • Interner Tarif max. 80 % des EVU-Tarifs
  • Mindestens 10 % PV-Kapazität

vZEV — Stück öffentlicher Gehweg (seit 2025)

Gleiche Idee, aber seit 2025 dürft ihr das kurze Stück öffentlichen Gehweg zwischen euren Häusern benutzen. Vorher musstet ihr den Weg selber bauen, jetzt nicht mehr. Ihr teilt euch einen gemeinsamen Briefkasten und tretet gegenüber dem Pöstler als eine Adresse auf.

Für lokale Produkte untereinander zahlt ihr nur den Produktpreis. Aber: Ihr zahlt für den virtuellen Briefkasten (virtuelle Messkosten). Für Post von ausserhalb weiterhin volle Versandkosten.

Auch hier tritt die Gruppe gegenüber dem EVU als ein Endkunde auf, mit einer gemeinsamen Stromrechnung. Die interne Aufteilung und Abrechnung übernimmt ein Dienstleister wie EbOT.

Konkret bedeutet das:

  • Nachbargebäude am gleichen Netzverknüpfungspunkt (Trafo oder Verteilkabine)
  • Smart Meter vom Netzbetreiber, keine eigene Messinfrastruktur
  • Interner Tarif max. 80 % des EVU-Tarifs
  • Mindestens 10 % PV-Kapazität

LEG — Dorf-Wochenmarkt mit eigenem Pöstler (seit 2026)

Jeder behält seinen eigenen Briefkasten und bleibt Kunde beim bisherigen Pöstler (EVU). Deine Stromrechnung kommt also weiterhin vom EVU. Aber das Dorf organisiert zusätzlich einen Wochenmarkt: Wer selber Pakete packt (Solarstrom produziert), bietet sie dort an. Wer keine eigenen hat, kauft dort ein. Günstiger als beim grossen Versandhaus, besser bezahlt als an den Grosshändler.

Für die Abrechnung des Wochenmarkt-Stroms braucht es einen Abrechnungsdienstleister, zum Beispiel EbOT. Wir organisieren den Markt, rechnen den Community-Strom ab und verteilen fair. Deine reguläre Stromrechnung läuft weiterhin über das EVU.

Zu Fuss oder mit dem Velo? Auf die Versandkosten der Wochenmarkt-Pakete gibt es einen Rabatt. Wie hoch, hängt von der Distanz ab:

  • Zu Fuss (alle am gleichen Trafokreis): kurze Strecke, 40 % Rabatt auf die Versandkosten
  • Mit dem Velo (über den ganzen Unterwerkkreis): weitere Strecke, 20 % Rabatt auf die Versandkosten

Konkret bedeutet das:

  • Gemeinde oder Quartier
  • Smart Meter vom Netzbetreiber
  • Jeder bleibt eigener Kunde beim EVU
  • Freie Preisgestaltung (kein 80 %-Deckel)
  • Mindestens 5 % PV-Kapazität

Verschachtelt, nicht entweder-oder

Die drei Modelle schliessen sich nicht gegenseitig aus. Ein ZEV kann Teil eines vZEV sein, und ein vZEV kann Teil einer LEG sein. Die einzige Einschränkung: Ein vZEV kann nur einer LEG angehören, nicht mehreren gleichzeitig.

Auf einen Blick

ZEV vZEV LEG
Bild Privater Gehweg, gemeinsamer Briefkasten Öffentlicher Gehweg, gemeinsamer Briefkasten Dorf-Wochenmarkt, jeder eigener Briefkasten
Seit 2018 2025 2026
Reichweite Ein Netzanschluss Gleicher Netzverknüpfungspunkt (Trafo oder Verteilkabine) Gemeinde / Quartier
Netzgebühren intern Keine Keine 40 % Rabatt (Trafokreis) / 20 % Rabatt (Unterwerkkreis)
Investition Eigene Messinfrastruktur Gründungskosten + Einrichtung Abrechnungssoftware Keine
Tarifdeckel 80 % EVU-Tarif 80 % EVU-Tarif Freie Preisgestaltung
Vorteile Langfristig am günstigsten, grösstes Einsparpotenzial Geringere Investitionskosten als ZEV, Flexibilität bei Ein- und Austritt Teilnehmer bleibt Kunde des EVU, grösste Reichweite
Nachteile Eichfrist der Zähler läuft nach 10 Jahren ab (MID-Zertifikat), keine Flexibilität bei Ein-/Austritt, internes Inkasso nötig Höhere jährliche Kosten als ZEV, Gemeinschaft gegenüber EVU ein Endkunde (internes Inkasso) Geringste Einsparung
Zuerst musstest du den Gehweg selber bauen, um Strom mit dem Nachbarn zu teilen (ZEV). Dann hat der Bund gesagt: Ihr dürft auch den öffentlichen Gehweg benutzen (vZEV). Und seit 2026 gibt es sogar einen Dorf-Pöstler mit Rabatt, der das ganze Dorf beliefert (LEG).

Was heisst das für dich?

Wenn du eine Solaranlage hast und deinen Überschuss ins Netz einspeist, bekommst du die Rückspeisevergütung. Die liegt typischerweise bei 4–8 Rp/kWh und wird seit 2026 quartalsweise an den Marktpreis angepasst. Dein Nachbar kauft denselben Strom dann für 20–25 Rp/kWh zurück. 12–19 Rappen Differenz pro Kilowattstunde, die niemandem etwas bringen.

LEG und vZEV schliessen diese Lücke. Statt dass der Produzent 4–8 Rp bekommt und der Konsument 20–25 Rp zahlt, treffen sie sich in der Mitte.

Konsumenten zahlen weniger, Produzenten werden fair vergütet, und das Geld bleibt in der Gemeinde statt beim Grosshändler.

Welches Modell passt zu dir?

Deine Situation Empfehlung Warum
Mehrfamilienhaus, ein Gebäude ZEV Bewährt, keine laufenden Netzkosten intern
Nachbargebäude am gleichen Trafo vZEV Keine Investition in Messinfrastruktur
Gemeinde oder Quartier LEG Grösster Perimeter, Netzrabatt, lokale Wertschöpfung

Du willst wissen, was bei dir möglich ist? Wir finden es in einem kurzen Gespräch heraus.

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Glossar

Fachbegriff Einfache Erklärung In der Analogie
EVU Elektrizitätsversorgungsunternehmen, dein Energielieferant Das grosse Versandhaus (Grosshändler)
VNB Verteilnetzbetreiber, besitzt die Leitungen Der Pöstler (meistens dieselbe Firma wie das EVU)
Smart Meter Intelligenter Stromzähler, misst alle 15 Minuten Zähler am Briefkasten
Eigenverbrauch Solarstrom, den du selbst verbrauchst Eigene Pakete selber auspacken statt verschicken
Rückspeisevergütung Was du bekommst, wenn du Solarstrom ins Netz einspeist Verkaufspreis an den Grosshändler
Netzebene Hierarchie des Stromnetzes (hohe → tiefe Spannung) Autobahn → Quartierstrasse → Gehweg
Trafokreis Alle Gebäude am gleichen Transformator Alle Häuser an der gleichen Quartierstrasse
HAK Hausanschlusskiste, der physische Netzanschluss Die Einfahrt zum Gehweg

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